Sammlungsgeschichte

Die Museumsstiftung Post und Telekommunikation besitzt eine weltweit einzigartige Sammlung deutsch-deutscher Briefwechsel, die den regen Briefverkehr zwischen Ost- und Westdeutschland während der Zeit der deutschen Teilung zwischen 1949 und 1990 dokumentiert.

Briefe und Postkarten, auch alltäglicher Art, waren bereits in dem 1872 von Generalpostdirektor Heinrich Stephan gegründeten Reichspostmuseum, dem ersten Postmuseum der Welt, ein wichtiger Bestandteil des umfangreichen Sammlungsbestandes. Der Schwerpunkt lag jedoch auf der postgeschichtlichen und philatelistischen Dokumentation der Beförderungsvermerke „Aufschrift“, „Stempel“ und „Briefmarke“. Erst mit der Wiedereröffnung des Berliner Postmuseums als Museum für Kommunikation im Jahr 2000 erlangte die Briefsammlung einen veränderten Stellenwert. Mit diesem Wandel des Museums zum Kommunikationsmuseum ging gleichzeitig ein Paradigmenwechsel im Umgang mit den Sammlungs- und Ausstellungsobjekten „Brief“ und „Postkarte“ einher.

Lesen Sie mehr

Neben den Beförderungsvermerken standen nun vor allem die Brief- und Karteninhalte sowie die Verfasser und deren persönlicher Hintergrund im Blickpunkt der Betrachtungen. Diese Entwicklung spiegelt sich in dem Aufbau eines Zentrums für Alltagsbriefe im Museum für Kommunikation Berlin wider.

Der herausragendste Bestand in diesem Bereich ist die weltweit umfangreichste erschlossene Sammlung von deutschen Feldpostbriefen, die das Museum für Kommunikation Berlin besitzt und seit 2009 auch als Online-Archive unter www.museumsstiftung.de/feldpost-erster-weltkrieg und unter www.museumsstiftung.de/feldpost-zweiter-weltkrieg präsentiert.

Auf die Erfahrungen mit dem sehr erfolgreichen Feldpostprojekt ging schließlich die Idee zurück, sich für ost-westdeutsche Briefwechsel, die ebenso einer drohenden Vernichtung ausgesetzt sind, zu interessieren und diese zu sammeln, zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zudem ist der deutsch-deutsche Briefwechsel durch die Besonderheiten der deutschen Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg einzigartig und einer der bedeutendsten der Geschichte. Der erste Sammlungsaufruf erfolgte im Jahr 2005, woraufhin zahlreiche Briefwechsel eingingen, die bereits im darauffolgenden Jahr in der Kabinettausstellung „Post von drüben. Deutsch-deutsche Briefwechsel“ im Museum für Kommunikation Berlin auszugsweise gezeigt wurden.

Die Sammlung „Post von drüben“ des Museums für Kommunikation Berlin besteht größtenteils aus Spenden, die hauptsächlich von den Schreibenden selbst oder seltener von Angehörigen der Briefpartner an das Museum abgegeben worden sind. Dies geschah und geschieht meist nicht nur, um die persönlichen Zeitzeugnisse vor einer drohenden Vernichtung zu bewahren, sondern auch, um sie der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und ihnen eine gesellschaftliche Bedeutung zukommen zu lassen.

Das Museum für Kommunikation Berlin sucht auch weiterhin Briefe, Postkarten, Fotografien und Dokumente aller Art, die zwischen 1949 und 1990 brieflich verschickt wurden, und nimmt Ihre Spenden gern entgegen.

Editionsnotiz

Die Auswahl der Briefe erfolgte auf der Grundlage verschiedener Kriterien. Zum einen sollten auf der textlich-inhaltlichen Ebene den im Stichwortverzeichnis aufgeführten Begriffen Dokumente zugeordnet werden. Weiterhin wurde der Chronologie des Krieges folgend darauf geachtet, dass zu den einzelnen Jahren in etwa eine äquivalente Anzahl an Briefdokumenten vorgestellt wird. Drittens entspricht die Anzahl der präsentierten Briefe auch der jeweiligen Konvolutsstärke im Original-Gesamtbestand. Nicht zu letzt stand im Blick, dass die Auswahl auch einen repräsentativen Schnitt durch den Sammlungsbestand und die Meinungsvielfalt der Briefe ermöglicht.

Die Dokumente werden weder verkürzt wiedergegeben, noch sind sie orthografisch oder in ihrer Grammatik an moderne Formen angepasst worden. So sind zum Teil fehlende Satzzeichen oder Rechtschreibfehler Teil der Dokumentation. Auch sind fehlende Worte nicht ergänzt worden. Textstellen, die vom Schreiber erkennbar deswegen gestrichen wurden, weil er oder sie die Worte für gefährlich hielt, sind soweit wie möglich rekonstruiert worden und als durchgestrichene Worte für den Text erhalten geblieben. Unleserliche Worte oder Satzteile sind mit drei Punkten in eckigen Klammern gesondert gekennzeichnet; hinter Worten, über deren inhaltliche Richtigkeit Unklarheit besteht, befindet sich ein in eckigen Klammern gesetztes Fragezeichen. Zusätzliche bzw. nachträglich an den Briefrand eingefügte Bemerkungen der Schreiber werden jeweils am Ende des Briefes wiedergegeben.