Feldpost aus dem Ersten Weltkrieg

In unserer Online-Sammlung stehen Ihnen über 700 aussagekräftige Feldpostbriefe aus der Zeit des Ersten Weltkriegs zur Verfügung. Wenn Sie an weitergehender Recherche interessiert sind, besteht die Möglichkeit, uns nach vorheriger Anmeldung in unserem Berliner Archiv zu besuchen und vor Ort die Sammlung zu sichten. Einen Überblick über den Gesamtbestand erhalten Sie in unserem Bestandskatalog.

 

 

Logistische Herausforderungen und Organisation des Postverkehrs

Die Feldpost ist die bedeutendste Vermittlerin der Kommunikation zwischen den Menschen im Ersten Weltkrieg. Die Organisation des Postverkehrs der vielen Millionen Soldaten und ihren Angehörigen in Deutschland stellt die Institution vor enorme logistische Herausforderungen.

Die Personalorganisation der Feldpost folgt der Struktur der zivilen Post. Geleitet vom Feldoberpostmeister, folgen Armeepostdirektoren, Feldposträte, -inspektoren und weitere Rangstufen bis zum Postillion. Im August 1914 zählt der Apparat 2.300 Beamte, bei Kriegsende sind es über 8.100. Fachlich unterstehen sie der Reichspost, in allen anderen Dingen dem Heer. Ende Juli 1918 arbeiten fast 30.000 Personen für die Feldpost.

 

Der lange Weg zwischen Heimat und Front

Zu bewältigen ist der Transport von rund 28,5 Milliarden Sendungen zwischen der Heimat und den verschiedenen Fronten. Die Post durchläuft verschiedene Stationen. Bei einem Postamt aufgegeben, gelangt die Sendung in eine Feldpostsammelstelle. Hier wird die Post gebündelt zu den Leitstellen befördert, die jeweils zu einer Armee gehören. Von dort gehen die Sendungen über die Grenze an die Feldpostanstalten. Im Reich und den besetzten Gebieten wird die Post per Eisenbahn befördert. Die Feldpostämter und –stationen setzen motorisierte Fahrzeuge aber vor allem Pferdewagen, im Frontbereich auch Hundekarren ein. Das Transportvolumen des gesamten Krieges beträgt fast 125 Millionen Briefbeutel.
Die Feldpost gliedert sich in Feldpostämter, Feldpostexpeditionen und Feldpoststationen.
Ämter gehören zum Großen Hauptquartier und den Generalkommandos, Expeditionen zu den Divisionen und Armeeoberkommandos. Stationen sind als Verteilstellen eingerichtet oder für einen Truppenteil zuständig, wenn für diesen keine Expedition vorhanden ist. Die Höchstzahl aller Feldpostanstalten wird 1917 festgestellt und beträgt 740. Zugestellt wird die Post nach der Feldpostübersicht, die alle Verschiebungen, Auflösungen und Neuaufstellungen der Truppen verzeichnet. Ihr Umfang beträgt 1917 fast 700 Seiten.

 

Lebenszeichen und Liebesgaben

Feldpostbriefe sind oft die einzige Brücke zwischen den Soldaten und ihren Angehörigen. Von 1914 bis 1918 sind insgesamt 14 Millionen deutsche Männer von ihren Familien getrennt. Ihre Briefe sind Lebenszeichen und zugleich der „soziale Kitt“ der Kriegsgesellschaft. Auch weil das Kriegsgrauen kaum beschreibbar ist, nehmen häufig Themen wie Versorgung und Alltag viel Platz in den Briefen ein. Andersherum ist für die Soldaten der Brief aus der Heimat ein Überrest ihres zivilen Lebens. Dennoch bietet sich hier oft ein ungeschönteres Bild als in den offiziellen Darstellungen.
Eine weitere wesentliche Funktion der Feldpost war der Transport von Gütern. Wahrscheinlich sind der größere Teil der fast 30 Milliarden Sendungen so genannte Liebesgaben, also Päckchen und Pakete gewesen. Über die Post werden vor allem die Soldaten an der Front mit Lebensmitteln, Kleidungsstücken, Büchern, Zeitungen und Hygieneartikeln versorgt. Vieles davon ist lebenswichtig und Postsperren oder -verluste sind für die Betroffenen besonders gravierend. Hinzu kommen fast 2 Milliarden Reichsmark, die über Anweisungen und Zahlkarten – meist in Richtung Heimat – transferiert werden.

 

Systematische Kontrolle und Zensur

Die Feldpostzensur wird im Ersten Weltkrieg unterschiedlich gehandhabt. Bis 1916 müssen die Soldaten die Post offen bei ihren Vorgesetzten abgeben, die nach persönlichem Belieben kontrollieren und zensieren. Die Benutzung von Feldpostbriefkästen ist häufig untersagt. 1916 verfügt die Oberste Heeresleitung die Schaffung von Prüfstellen. Das bedeutet zwar weniger Willkür, aber auch systematische Kontrolle. Zudem hat die OHL nun ein Instrument, um die Stimmung an der Front auszuspähen. Die Aufhebung der Zensur war daher auch wichtiger Bestandteil der Forderungen der Kieler Matrosen beim Novemberaufstand 1918.

(Text: Thomas Jander M.A.)

Der Sammelband zur Tagung „Schreiben im Krieg – Schreiben vom Krieg. Feldpost im Zeitalter der Weltkriege“ des Museums für Kommunikation Berlin ist beim Klartext Verlag erhältlich.